Home Aktuell 2008
2008

Oktober 2008

Ein Trauerspiel

Im kommenden Frühjahr wird unsere Berufsvereinigung ihr zehnjähriges Jubiläum begehen. Eigentlich sollten wir uns entspannt zurücklehnen und aus einer gewissen Distanz ein Jahrzehnt geleistete Arbeit Revue passieren lassen! In diesen turbulenten Zeiten ist dies jedoch recht schwierig. Politik und Gewerkschaften befinden sich im Wahlkampf, wobei es so manch einem, vom Wahlfieber gepackt, recht schwierig erscheint, einen kühlen Kopf zu bewahren!

Die vom OGB-L organisierte Saalmanifestation in der Lallinger Sporthalle am vergangenen 15. Oktober ließ schon ein wenig Hoffnung aufkeimen. Der gesamte sozio-educative Sektor, Erzieher und Sozialpädagogen verreint, atmete auf, nach dem Motto: „endlich tut sich was!“ In den Wochen vor der Veranstaltung zirkulierte ein reger Mail- und Chatverkehr unter den Mitgliedern der einzelnen Foren. Erzieher und Sozialpädagogen sahen endlich eine Plattform, in der sie ihre Anliegen, Wünsche und Vorschläge äussern konnten.

SITZSTREIK


Die APEG lancierte nach zwei Wochen Mobilisierung unter Erziehern und Sozialpädagogen ihre gutgemeinte, jedoch missverstandene Initiative „Sëtzstreik fir Zesummernaarbecht am Secteur“ und demnach kam eine Dynamik ins Rollen, aus der alle Beteiligten, Gewerkschaften und Berufsverbände, zusammen ihren Nutzen hätten ziehen können. Diese Chance wurde jedoch kläglich vergeben: der OGB-L interpretierte unsere Initiative als Aktion gegen sich selbst und wetterte bereits im Vorfeld der Veranstaltung in einer Hetzschrift an alle Mitglieder des OGBL-Syndikats Gesundheit und Sozialwesen gegen die APEG (siehe Bericht in dieser Ausgabe). Der vom OGB-L geschürte Unmut auf unsere Berufsvereinigung führte dazu, dass unsere Aktion, die um 19.00 Uhr geplant war, frühzeitig im Keim erstickt wurde. Ein rotes Fahnenmeer, inszeniert von einigen militanten OGB-L-Mitgliedern, bildete sich vor der Pforte der Sporthalle. Die von der APEG mobilisierten Manifestanten hielten sich daraufhin auf Distanz und warteten auf den Beginn der Verantstaltung des OGB-L, die um 19.30 Uhr stattfand.

SEITENHIEBE


Die anschließende Saalmanifestation brachte keine neuen Erkenntnisse: in einer von typischer Wahlkampfrhetorik geprägten Rede, gingen die Verantwortlichen fast nur auf den SAS-Kollektivvertrag ein und streiften die Gehälterproblematik nur am Rande. Seitenhiebe an die Adresse des LCGB, der CGFP und der APEG blieben dabei nicht aus. Eigenlob und Durchhalteparolen zogen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung, wobei weder Aussagen über das vergangene, noch über das künftige Vorgehen des OGB-L in Sachen Gehälterdiskussion und Kollektivvertrag gemacht wurden.

AUSSER SPESEN NICHTS GEWESEN

Ausgerechnet der OGB-L, der uns mangelndes Demokratieverständnis vorwirft, lieferte am Ende der Veranstaltung den ultimativen Beweis, dass sie weder mit einer anderen Gewerkschaft, noch mit einer anderen Verreinigung zusammenarbeiten will. Die Saalmanifestation wurde nach der halbstündigen Rede abrupt abgebrochen, das Publikum wurde auf ein „Freibier“ eingeladen und das Mikrofon wurde ausgeschaltet! Keiner im Saal hatte die Gelegenheit Fragen zu stellen bzw. Stellung zu nehmen! Weder Mitglieder, noch andere Gäste, die dieser fragwürdigen Veranstaltung beiwohnten, wurden mit einbezogen.

Wollte der OGB-L verhindern, dass kritische Äusserungen den „reibungslosen Ablauf“ dieser Wahlversammlung hätten stören können? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Ein halbwegs kritischer Beobachter dieses „Trauerspiels“ hat jedoch eindeutig Eindruck gewonnen, dass der OGB-L mit seiner populistischen Art und Weise den gesamten Bereich „Gesundheits- und Sozialwesen“ monopolisieren will! Mit Demokratie hat dieses Verhalten wenig zu tun!

ZUSAMMENARBEIT MIT DEM OGB-L UNMÖGLICH !

Nach dieser neuerlichen Negativerfahrung mit dem OGB-L ist für die APEG eines klar: in der augenblicklichen Situation ist eine Zusammenarbeit mit dem OGB-L unmöglich. Die Konsequenzen dieser Nicht-Zusammenarbeit werden kaum spürbar werden, denn erstens hat es diese Kooperation trotz unserer Bemühungen noch nie wirklich gegeben und zweitens hat diese Gewerkschaft sich auch nicht sonderlich für unsere Belange eingesetzt. Bei der Saalmanifestation am 15. Oktober vermissten wir eine klare Marschroute für ein Engagement für die Zeit nach den Wahlen, so dass wir davon ausgehen, dass ab November wieder einmal nicht viel passieren wird. Zwangsläufig drängt sich die Frage auf, ob die Passivität, die der OGB-L während der letzten Jahren an den Tag legte, überhaupt noch zu verantworten ist und demnach eine Unterstützung des OGB-L bei den Sozialwahlen vom Wähler überdacht werden sollte. Ausserdem sollten alle Sozialpädagogen, die Mitglieder einer Gewerkschaft sind sind, Druck ausüben, damit diese endlich aktiv wird. Ansonsten kann eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft als sinnlos betrachtet werden.

weitere Infos unter --> diesem Link

September 2008

Sozialpädagogen gehen in die Offensive

Nach monatelangen Verhandlungen zwischen der Regierung und den Gewerkschaften SEW/OGB-L, sowie SNE/CGFP und dem daraus resultierenden Kompromissvorschlag zugunsten der Lehrerschaft bleiben viele Fragen offen. Die Ergebnisse der Verhandlungen haben ganz klar gezeigt, dass die Regierung bei einer bestimmten Berufsgruppe zu Konzessionen bereit ist, währenddessen andere wieder einmal leer ausgehen werden. Da die Regierung anfangs des Jahres den Sozialpädagogen gegenüber erklärte, dass weder eine Gehaltsaufbesserung, noch eine Gehälterrevision in naher Zukunft möglich seien, überrascht es uns, dass nur die Lehrer von einer Aufstockung ihrer Laufbahn profitieren werden. Da mehrere Bachelor-Laufbahnen, darunter auch die des Sozialpädagogen, dabei nicht berücksichtigt werden und wie bereits seit drei Jahrzehnten in der Gehältertabelle weitaus unter dem liegt, was ihnen eigentlich zustehen müsste, haben wir es mit einem Präzedenzfall zu tun, mit dem sich die Regierung auseinandersetzen muss.


Zur Erinnerung: Die Laufbahn des Sozialpädagogen ist von den Laufbahnen beim Staat mit drei Jahren Universitätsausbildung diejenige welche am meisten unter den aktuellen Gehältertabellen zu leiden hat. Wir fordern keine exklusive Gehaltsaufbesserung für die Sozialpädagogen, sondern wir verlangen ausdrücklich, dass die Fehler in den Gehältertabellen endlich beseitigt werden. Wieso haben sich die entsprechenden Gewerkschaften nicht zuerst für die Berufe eingesetzt, welche von den falschen Eingliederungen in die Gehältertabellen am meisten betroffen sind?


Wie ist dieser Präzedenzfall zu rechtfertigen?

Angesichts der angespannten budgetären Lage beim Staat, hält die Regierung daran fest, vorerst keine allgemeine Gehälterrevision vorzunehmen. Die Lehrergewerkschaften konnten mit diplomatischem Geschick einerseits und mit ethisch bedenklichen Druckmitteln (Streik, Infragestellung des neuen Schulgesetzes) andererseits einen beachtlichen Teilerfolg landen. Nach einer mehrmonatigen Verhandlungsphase und den daraus resultierenden Zugeständnissen lieferte die Regierung endgültig den Beweis, dass sie diesem Druck nicht standhalten konnten und eine weitere grobe Ungerechtigkeit innerhalb der Gehältertabelle des Staatsdienstes zuließ.


Grosse Unterschiede in der Gehältertabelle !


Die Karriere des Sozialpädagogen situiert sich jetzt bereits weit unter der Laufbahn des Lehrers. Die bestehenden Ungerechtigkeiten werden durch den Kompromissvorschlag noch weiter verstärkt. Dies können wir nicht hinnehmen, da Sozialpädagogen und Lehrer bis dato mit einer Studiendauer von drei Jahren beide in eine allgemeine Bachelor-Laufbahn eingestuft werden müssten! Auch wenn die Studiendauer der künftigen Lehrer an der Uni Luxemburg auf mittlerweile vier Jahre verlängert wurde, sind momentan ausschließlich Lehrer beschäftigt, die lediglich ein dreijähriges Hochschulstudium absolviert haben. Hinzu kommt, dass die Lehrerstudenten aus Belgien weiterhin nur drei Jahre zu studieren brauchen, um das Lehrerdiplom zu erlangen.
Anstatt Anfangsgehalt und Endgehalt sollte bei den aktuellen Überlegungen von Gewerkschaften und Staat die gesamte Lebenslaufbahn berücksichtigt werden, weil verschiedene Bachelorlaufbahnen im Laufe der Jahre viel schneller steigen als andere. Da der Sozialpädagoge erst sehr spät seine Endlaufbahn erreicht, verliert dieser, über seine gesamte Laufbahn verteilt, über 600 000 Euro an Gehalt im Vergleich zu anderen Bachelor - Studien.



Wir verlangen eine allgemeine Bachelor-Laufbahn im öffentlichen Dienst!

Die Regierung täte gut daran, eine allgemeine Bachelor-Laufbahn einzuführen. Somit wären viele Probleme aus dem Weg geräumt.


Die Berufvereinigung der Sozialpädagogen APEG wehrt sich mit aller Entschlossenheit gegen diese Art von Ungerechtigkeit! Mobilisierungsaktionen in den Herbst- und Wintermonaten sind geplant und werden in den nächsten Wochen bekannt gegeben!

 

26.6.2008

Nach der Unterredung des Berufsverbandes der Sozialpädagogen mit den Ministern Claude Wiseler und Mady Delvaux Stehres

Keine Gehälterrevision bis zum Ende dieser Legislaturperiode!

Regierung zeigt Härte! Sozialpädagogen geben jedoch nicht auf!



Die Vorzeichen dieser Unterredung waren gaben nicht gerade Anlass für allzuviel Optimismus: Nachdem die Verhandlungen zwischen Regierung Lehrergewerkschaften am vergangenen Mittwoch zu keinem Konsens geführt haben und die Zeichen demnach auf Streik stehen, kam es auch für die Sozialpädagogen zu einem unbefriedigendem Ergebnis. Minister Claude Wiseler versicherte, dass vor den Wahlen keine Gehälterrevision vorgesehen ist.


Die APEG hat zwar in gewisser Weise Verständnis für die Argumente der Regierung da die allgemeine budgetäre Situation in Luxemburg sich als sehr schwierig erweist. Man ist jedoch nicht einverstanden, dass ausgerechnet im sozialen Sektor gespart wird.


Die APEG plant eine grössere Mobilisierungskompagne nach der Sommerpause. Dabei wird verstärkt auf die Zusammenarbeit mit anderen Berufsverbänden und Gewerkschaften gesetzt.


Das Gespräch hat jedoch auch etwas Positives gebracht: Die beiden Minister haben ihre Unterstützung zugesagt, dem Berufsbild des Sozialpädagogen mehr Transparenz zu verleihen. Mit der Ausarbeitung eines „Code de déontologie“ wollen beide Seiten dem neuen Profil des Sozialpädagogen eine legale Basis verleihen, was in Zukunft dem ganzen Berufstand zugute kommen wird.

14+15.3.2008: APEG auf RTL

10.1.2008: Drei Minister empfangen APEG-Delegation

Auf Initative des „Ministère de la Fonction publique“, des Erziehungs- und des Hochschulministeriums wurde unser Berufsverband auf eine informelle Unterredung eingeladen, wie es noch keine in der neunjährigen Historie der APEG gegeben hat: die drei zuständigen Minister Claude Wiseler, Mady Delvaux-Steres und François Biltgen, begleitet von ihren jeweiligen Beratern, saßen einer fünfköpfigen Delegation gegenüber, die unseren Beruf auf höchster Ebene vertritt. Nach einem zweistündigen Austausch über Beruflaufbahn, Studien, Responsabilität und Arbeitsbereiche hielt Minister Wiseler fest, bis zum Sommer eine Entscheidung bezüglich allgemenine Einstellungskriteren aller „Bachelor“-Laufbahnen im öffentlichen Dienst zu treffen. Die APEG ist weiterhin offizieller Dialogpartner und wird bis Ende Januar ein offizielles Motivationsschreiben in den kompetenten Ministerien einreichen.